Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Realist2014 » Sa 14. Okt 2017, 20:19

Bielefeld09 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 20:43)

Du kannst hier schreiben,
was du willst.
Es ist seit Jahren bekannt,
das Senioren in ihrer " Scheiße " schwimmen.
Davon hattest du nichts gehört?
Lächerlich!



dann müssen die "Senioren" eben für IHRE Pflege mehr bezahlen
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Realist2014 » Sa 14. Okt 2017, 20:20

Bielefeld09 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 20:58)

Nein, so geht das nicht!
Also müssen wir Lösungen finden.


Eine Teil der Regelsätze von ALG II in die Pflegeversicherung?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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frems
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon frems » Sa 14. Okt 2017, 20:51

jack000 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 18:13)

Ja, in der Tat. Aber da wird sich in nächster Zeit einiges zum Positiven bewegen.

Ist nicht gewünscht. Selbst die Gewerkschaften sind dagegen.

Das gelte sowohl für die Bewohner von Pflegeheimen als auch für Patienten in Krankenhäusern – weil die Menschen im Durchschnitt älter seien und damit oft eine Reihe von Vorerkrankungen mitbrächten, zum Beispiel eine Demenz. Da erscheine es sinnvoll, dass auch Krankenpfleger im Rahmen ihrer Ausbildung den Umgang mit Demenzkranken erlernten.

Die geplante Reform hat aber noch einen weiteren Vorteil. Sie macht die Pfleger flexibler und verschafft ihnen mehr Verhandlungsmacht am Arbeitsmarkt.

Da die künftigen Schulabgänger mit generalistischer Pflegeausbildung leichter zwischen Krankenhäusern und Pflegeheimen wechseln können, müssen sich die Personalmanager in Krankenhäusern und Heimen mehr als bisher einfallen lassen, um den begehrten Kräften als Arbeitgeber attraktiv zu erscheinen. Weniger unbezahlte Überstunden könnten dann als Entscheidungskriterium gelten, eine niedrigere Arbeitsbelastung oder mehr Geld.

Vermutlich ist dies auch der Grund, warum sich die Lobbyvertreter von Pflegeheimen derzeit im politischen Berlin gegen die Ausbildungsreform wehren. Mehr als 30 Verbände haben Anfang Juli an die Fraktionschefs der Koalition appelliert, das Gesetzesvorhaben zu stoppen.

Zu den Unterzeichnern gehört neben der Gewerkschaft Ver.di das Bündnis für Altenpflege, das nach eigenen Angaben 70 Prozent aller Pflegeheime im Land vertritt. Ihre Befürchtung ist, dass sie künftig noch schwieriger als bisher Fachkräfte finden werden – weil jeder, der kann, möglichst einen besser bezahlten Krankenhausjob antritt. Mit anderen Worten: Bei den Pflegeheimen befürchtet man, in Zukunft selbst besser bezahlen zu müssen, um im Wettbewerb um Arbeitskräfte noch zum Zug zu kommen.

http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/ ... flege.html

Seit Jahren geht's denen nicht mehr primär um bessere Arbeitsbedingungen für (junge) Arbeitnehmer, sondern um höhere Renten. (2015: http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 68440.html 2016: http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... arnen.html 2017: http://www.tagesspiegel.de/politik/alte ... 76648.html)

Ist ja auch logisch, wenn man sich die demographische Situation der Gewerkschaftsmitglieder anschaut. Aber wie auch immer. Nennenswert bessere Arbeitsbedingungen dürfte man nicht finden. Die Kosten für die Pflege schießen schon jetzt durch die Decke: https://www.pflegeversicherung-infoport ... herung.jpg

Und richtig teuer wird's erst in einigen Jahren. Was soll man da noch groß anbieten? Kann natürlich sein, dass man ein paar Nullrunden durchläuft und dann 2021 stolz verkündet, 5% mehr Lohn einmalig raufgeklatscht zu haben.
Labskaus!

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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 14. Okt 2017, 21:06

frems hat geschrieben:(14 Oct 2017, 21:51)

Ist nicht gewünscht. Selbst die Gewerkschaften sind dagegen.


http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/ ... flege.html

Seit Jahren geht's denen nicht mehr primär um bessere Arbeitsbedingungen für (junge) Arbeitnehmer, sondern um höhere Renten. (2015: http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 68440.html 2016: http://www.t-online.de/nachrichten/deut ... arnen.html 2017: http://www.tagesspiegel.de/politik/alte ... 76648.html)

Ist ja auch logisch, wenn man sich die demographische Situation der Gewerkschaftsmitglieder anschaut. Aber wie auch immer. Nennenswert bessere Arbeitsbedingungen dürfte man nicht finden. Die Kosten für die Pflege schießen schon jetzt durch die Decke: https://www.pflegeversicherung-infoport ... herung.jpg

Und richtig teuer wird's erst in einigen Jahren. Was soll man da noch groß anbieten? Kann natürlich sein, dass man ein paar Nullrunden durchläuft und dann 2021 stolz verkündet, 5% mehr Lohn einmalig raufgeklatscht zu haben.

Wer streitest sich mit dir?
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon frems » Sa 14. Okt 2017, 21:08

Bielefeld09 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 22:06)

Wer streitest sich mit dir?

Bitte was? :?:
Labskaus!

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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Boraiel » Sa 14. Okt 2017, 21:09

Bielefeld09 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 20:43)

Du kannst hier schreiben,
was du willst.
Es ist seit Jahren bekannt,
das Senioren in ihrer " Scheiße " schwimmen.
Davon hattest du nichts gehört?
Lächerlich!

Ja, und?
Was unverantwortlich wäre, ist doch eher mehr junge Menschen dafür abzustellen, sich darum zu kümmern.
Libertas veritasque.
Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 14. Okt 2017, 21:24

Boraiel hat geschrieben:(14 Oct 2017, 22:09)

Ja, und?
Was unverantwortlich wäre, ist doch eher mehr junge Menschen dafür abzustellen, sich darum zu kümmern.

Nee, Labberkopp!
Aber wenn keiner Ahnung hat!
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Boraiel » Sa 14. Okt 2017, 21:38

Bielefeld09 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 22:24)

Nee, Labberkopp!
Aber wenn keiner Ahnung hat!

Ich habe nur eine einfache Botschaft an jeden: Man muss sich um seine Scheiße selber kümmern. :eek:
Ausnahmen gibt es nur für Neugeborene und Kurzzeitigkranke.
Libertas veritasque.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 14. Okt 2017, 21:44

Boraiel hat geschrieben:(14 Oct 2017, 22:38)

Ich habe nur eine einfache Botschaft an jeden: Man muss sich um seine Scheiße selber kümmern. :eek:
Ausnahmen gibt es nur für Neugeborene und Kurzzeitigkranke.

Wieder mal Gelabber.
Aber bestimmt recht von und coo.l
Sorry Mods, es ist nie persönlich gemeint. Ihr habt immer recht. Sorry :( :p
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Odin1506 » So 15. Okt 2017, 00:03

Es gibt Pflegekräfte die mit Herz und Seele ihren Beruf ausüben, leider unterbezahlt. Und es gibt Pflegekräfte die gezwungener Maßen zu ihren Beruf gedrängt worden sind.
Es wäre besser, die Pflegekräfte, die mit Herz und Seele dabei sind, besser zu bezahlen und bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Maltrino » So 15. Okt 2017, 02:58

Boraiel hat geschrieben:(14 Oct 2017, 22:38)

Ich habe nur eine einfache Botschaft an jeden: Man muss sich um seine Scheiße selber kümmern. :eek:
Ausnahmen gibt es nur für Neugeborene und Kurzzeitigkranke.


Naja, so blöd ist das gar nicht mal was du da schreibst. Ich sehe nur das Problem: In diesem Deutschland lernen die Leute halt von kleinauf, dass sie sich auf andere Leute verlassen können, dass wir ganz tolle fleißige Mitmenschen haben und "teamfähig" sein sollen und diesen Leuten vertrauen sollen. Jetzt, einige Jahrzehnte später weiß ich, dass es anders ist. Ich hätte mir gewünscht wenn man mir in der Schule gesagt hätte, dass Universitätsdozenten ihren Job in erster Linie machen um Geld zu verdienen, dass Ärzte fehlbar sind und man immer selbst nachforschen muss und niemandem im weißen Kittel vertrauen darf und eben, dass man noch nicht mal darauf vertrauen darf, dass man im Alter nicht in Scheiße rumliegt.

Uns wird von kleinauf gesagt, dass Deutschland heute ganz toll ist. Die Leute vertrauen also darauf, dass dieses Deutschland dafür sorgt, dass nichts schlimmes passiert. Und wenn es dann trotzdem passiert, dann sind sie umso verwunderter und rufen natürlich, so wie jetzt in der Pflegesache, nach dem Staat der das bessern soll. Vielleicht hätte es den Leuten ja viel mehr geholfen wenn ihnen als Kind gesagt worden wäre, dass dieser Staat sowas nicht kann. Dann hätten die vielleicht mehr Eigeninitiative gezeigt, in welcher Form auch immer. Aber wenn man ständig nur hört, dass Deutschland sooo ein tolles Gesundheitssystem hat, dann hat man halt das Problem, dass es Leute gibt die sich auf das System verlassen...
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Maltrino » So 15. Okt 2017, 03:07

jack000 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 20:29)

Wenn es einen Mangel gibt müssen die Löhne steigen. Wenn die Löhne steigen findet sich mehr Personal.


Funktioniert aber nur wenn die Leute "vernünftig" sind. Standardbeispiel: Niemand will Toiletten putzen, viele wollen Manager von VW werden. Trotzdem verdient der Manager mehr als die Putzkraft. Die Löhne sind ja quasi "Preise". Die Preise steigen nur, wenn es auch jemanden gibt der sie bezahlt. Wenn niemand für Gold bezahlen will, dann wird der Goldpreis auch irgendwann ins Bodenlose fallen. Kann es also sein, dass es in der Pflege zwar einen Mangel gibt, aber niemand die Preise für Pflege bezahlen will, aus welchem Grund auch immer? Wie kann man das ändern? Ich fürchte: Man kann es nur ändern wenn man den Leuten klar macht, dass SIE SELBER es bezahlen müssen weil der Staat sowas nicht kann. Dazu muss man den Leuten aber sagen, dass Deutschland nicht so toll ist wie man dachte. Dazu müssten Politiker sich hinstellen und sagen "Wir, eure Bundesregierung, schaffen es nicht eure Oma aus der Scheiße zu holen, ihr müsst selber dafür bezahlen". Das wird wohl nicht passieren. Auch weil der Aspekt der Eigenverantwortung in unserer Kultur nicht sehr hoch angesehen ist.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Just Me » So 15. Okt 2017, 06:24

Maltrino hat geschrieben:(12 Oct 2017, 19:26)
Laut Bundesagentur für Arbeit ist die Arbeitslosenquote bei 5%, das ist ja fast schon als Vollbeschäftigung anzusehen.
Richtig. Im September 2017 waren 2,45 Mio Menschen (= 5,5 %) "offiziell arbeitslos", also im Neusprech der Behörde: "arbeitslos im engeren Sinne".

Allerdings darfst du die "Zählweise" dieser - rein politischen - Statistik nicht vernachlässigen: Die Statistik nimmt sämtliche sogenannten "Unterbeschäftigten" von der offiziellen Arbeitslosenquote aus. Als "unterbeschäftigt" gilt man etwa, wenn man an einer "Qualifizierungsmaßnahme des Arbeitsamtes" teilnimmt. Wer also in sogenannten "Bewerbungstrainings" gerade Kreuzworträtsel löst, der gilt nicht als arbeitslos, sondern als unterbeschäftigt. Und weil er nicht "arbeitslos im engeren Sinne" (O-Ton Bundesagentur für Arbeit) ist, zählt er natürlich auch nicht als Arbeitsloser.

Wenn du dich für die "realistische Arbeitslosenzahl" interessierst, solltest du immer schauen, für wie viele Menschen der deutsche Steuerzahler "Leistungen nach SGB" erbringt. (Google nach "Leistungsempfänger".) Diese Zahl ist zwar auch nicht ganz korrekt, weil hier auch "Spezialleistungen", etwa die "Förderung von Selbständigkeit" (wenn sich ein Arbeitsloser selbständig macht, bekommt er im Regelfall noch eine Weile Unterstützungsleistungen), einfließen. Doch sie ist sehr viel näher an der realistischen Zahl, als die Neusprech-Statistik, die politischen Doktrinen unterworfen ist. Denn das Ziel "Raus aus den Sozialleistungen!" ist das eigentliche Ziel aller "Beschäftigungs-Suche-Bestrebungen"; zumindest aus der Sicht der das alles finanzierenden Steuerzahler.

Tja, und da schlagen momentan runde 6,8 Millionen Menschen (= 15,2 %) bzw. 7,8 Millionen (= 17,5 %), wenn man die "Unterbeschäftigung" mitzählt, zu Buche. (Nebenbei bemerkt: Das sind übrigens fast exakt genauso viele, wie vor "Hartz IV".) Nur setzen die sich eben aus 4,4 Mio Menschen in HIV zzgl. der 2,4 Mio (ohne "Unterbeschäftigung") bzw. 3,4 Mio (mit "Unterbeschäftigung") "offiziell" Arbeitslosen zu Buche.

(WICHTIG! Diese vereinfachte Rechnung ist ein RICHTWERT. Durch die in den letzten Jahrzehnten eingeführte Komplexität ist es nicht mehr möglich, "auf die Schnelle" exakte Werte zu bestimmen, weil bestimmte Statistiken, etwa, wie viele Menschen aus welchem Grund welche Leistungen beziehen, nicht mehr offiziell geführt werden und folglich nicht mehr veröffentlichungspflichtig sind. So ist beispielsweise nicht jeder, der Leistungen bezieht, auch "arbeitslos" im Sinne der Steuerzahler - also "job-bedürftig" -; etwa angehende Selbständige; chronisch Kranke, etc. Und auch die Dunkelziffer, also die Anzahl der Menschen, die gar keine Leistungen beziehen, weil sie "sich nicht ausziehen wollen", die "aufgegeben" haben oder die es sich "aus sozialen Gründen" nicht leisten wollen, kann nur geschätzt werden. Verschiedene Studien behaupten, dass diese Zahl "irgendwas zwischen 1 und 2,5 Mio" Menschen beträgt. Sie fließt an dieser Stelle aber gar nicht in die oben genannten Zahlen ein.)

Maltrino hat geschrieben:(12 Oct 2017, 19:26)
Wenn man es nun also schafft mehr Geld ins System zu pumpen (wie auch immer das dann aussieht) und dann mehr Pflegekräfte eingestellt werden können, dann würden da ja neue Pflegekräfte in Arbeit kommen. Die Frage die ich mir stelle ist nur: Was haben diese Pflegekräfte denn vorher gemacht, bzw. was machen sie jetzt?
Aus oben Gesagtem erschließt sich die Antwort relativ einfach: Die "Neuen" sind derzeit leistungslos arbeitslos, leistungsbezogen arbeitslos, "in Unterbeschäftigung", Hartz-IV-Empfänger oder in berufsfremden Jobs tätig. Ja, es soll sogar Leute geben, die gern in der Pflege arbeiten würden, wenn dieser Knochenjob besser bezahlt wäre.

Maltrino hat geschrieben:(12 Oct 2017, 19:26)
Ich dachte eher diese 5% sind ganz harte Brocken.
Da irrst du gewaltig, Maltrino. Diese 5 % sind der Teil der Arbeitslosen, der sich mit den aktuellen statistischen Zählweisen noch nicht "unter den Tisch rechnen" lässt. Die "ganz harten Brocken" findest du eher bei den 4,4 Mio Langzeitarbeitslosen; weniger bei den 2,4 Mio Arbeitslosen.

Maltrino hat geschrieben:(12 Oct 2017, 19:26)
Und die sollen jetzt kranke Leute pflegen? Gibt es jetzt viele arbeitslose Pflegekräfte?
Es gibt sicherlich auch "arbeitslose Pflegekräfte". Aber du solltest dich nicht vom Irrtum leiten lassen, zu denken, der Arbeitsmarkt funktioniere wie ein "Lager", in das man (temporär) nicht benötigte Fachkräfte zurückstellt, bis man sie wieder braucht. Dem wurde mit Hartz IV endgültig ein Riegel vorgeschoben, denn mittlerweile muss jeder jede Arbeit annehmen; ganz egal, wie "berufs-fremd" oder unterbezahlt sie auch sein mag. Wenn es also "arbeitslose Pflegekräfte" gibt, dann nur, weil diese Pflegekräfte "harte Brocken" sind oder weil sie nicht einmal berufs-fremde Jobs finden.

Maltrino hat geschrieben:(12 Oct 2017, 19:26)
Oder kommen diese Pflegekräfte aus anderen Berufen? Und welchen?
Sie kommen aus den verschiedensten Berufen; aber auch aus der Gruppe jener Menschen, die nie eine Berufsausbildung absolviert/beendet haben. Entscheidend ist hier nicht so sehr, wo sie herkommen, als vielmehr, ob sie diesen Job mit ihrer eigenen, subjektiven "sozialen Ader" ausfüllen können und wollen. Auch mit besserer Bezahlung bleibt es ein Knochenjob, wenn es sich für die privaten Unternehmen rechnen soll. Und das kannst du nur mit "Begeisterung für den Job" kompensieren, wenn die Qualität der Arbeit nicht leiden soll.

Maltrino hat geschrieben:(12 Oct 2017, 19:26)
Wenn es, laut unserer Regierung, quasi Vollbeschäftigung gibt, man aber mehr Pflegekräfte will, dann heißt es ja doch wohl, dass irgendeine andere Arbeit, die nicht Pflege heißt, dann weniger getan wird? Und welche wäre das?
Da es Vollbeschäftigung* auf absehbare Zeit nur auf dem Papier geben wird, braucht diese Frage keine Antwort.

*) Als "Vollbeschäftigung" gilt eine Arbeitslosenquote von maximal 2 %. Das ist also etwa die Hälfte von dem, was die aktuelle offizielle Statistik ausweist.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Julian » So 15. Okt 2017, 08:12

Realist2014 hat geschrieben:(14 Oct 2017, 21:19)

dann müssen die "Senioren" eben für IHRE Pflege mehr bezahlen


Das Problem dabei ist, dass die Kosten für Pflege exorbitant hoch sind. Nur Reiche - und damit meine ich wirklich Reiche - können sich etwas Besseres leisten als die Standardversorgung in deutschen Pflegeheimen. In Pflegeheimen finden sich ehemalige Ingenieure, Ärzte, Landräte und Gymnasiallehrer zusammen mit ehemaligen Gabelstaplerfahrern oder auch Arbeitslosen; nur die wenigsten können sich etwas Besseres leisten.

Die Kosten betragen häufig 4,000 oder 5,000 € monatlich, wovon die Pflegeversicherung vielleicht 1.500 bis 2.000 € übernimmt. Nicht selten bleiben also 2.500 € monatlich übrig, die man selber stemmen muss - das ist mehr, als die meisten überhaupt an Rente bekommen und wird dann häufig vom Sozialamt übernommen, wenn keine ausreichenden Ersparnisse vorliegen. Manche Pflegebedürftige sind jahrelang im Pflegeheim; man stirbt nicht so schnell an einer Demenz, wie manche denken; das Siechtum kann sich gut über 8 Jahre hinziehen, das wären dann ca. 250.000 €.

Um eine wirklich gute Pflege zu bekommen, reicht es in der Regel leider nicht, 500 € mehr pro Monat auszugeben; wir reden hier eher von einer Verdoppelung der Kosten.

Wo das Geld hingeht, ist mir selbst nicht ganz klar. In vielen Pflegeheimen haben die Bewohner zweimal täglich die Möglichkeit, zur Toilette begleitet zu werden, in der Regel morgens und abends. Dass sie ansonsten in ihren eigenen Fäkalien sitzen oder liegen, ist Standard. Ich glaube, wir bräuchten einen komplett anderen Ansatz in der Pflege, um weiterzukommen.

Pflegenotstand herrscht auch auf Notaufnahmen und Intensivstationen, neben dem ebenfalls bestehenden Ärztemangel. Die Arbeitsbedingungen sind so schlecht, dass das niemand lange durchhält. Je mehr Leute kündigen, desto schlechter werden die Arbeitsbedingungen. Eine adäquate Versorgung der Patienten in deutschen Kliniken ist häufig nicht gewährleistet; zum Glück wissen das nur diejenigen, die dort arbeiten. Die Bevölkerung macht sich dagegen Illusionen.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon imp » So 15. Okt 2017, 09:24

Die Idee, dass sich Bettlägerige selbst den Arsch abwischen, ist absurd.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Billie Holiday » So 15. Okt 2017, 09:32

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(15 Oct 2017, 10:24)

Die Idee, dass sich Bettlägerige selbst den Arsch abwischen, ist absurd.


Die user, die sowas vorschlagen, glauben, sie selbst werden für immer fit und kerngesund bleiben.
Selten sowas schwachsinniges und ignorantes gelesen.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Boraiel » So 15. Okt 2017, 20:10

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(15 Oct 2017, 10:24)

Die Idee, dass sich Bettlägerige selbst den Arsch abwischen, ist absurd.

Genauso absurd, wie andere dafür heranziehen zu wollen. :|
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Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon imp » So 15. Okt 2017, 20:13

Boraiel hat geschrieben:(15 Oct 2017, 21:10)

Genauso absurd, wie andere dafür heranziehen zu wollen. :|

Jup, dass dauerhaft Hilfsbedürftige Hilfe brauchen, ist total absurd. Die könnten doch auch einfach sterben, wenn sie schon nicht mehr alles privat bezahlen.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Billie Holiday » So 15. Okt 2017, 20:15

Boraiel hat geschrieben:(15 Oct 2017, 21:10)

Genauso absurd, wie andere dafür heranziehen zu wollen. :|


Wie sieht die Alternative aus?
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Wo sollen zusätzliche Pflegekräfte herkommen wenn doch "Vollbeschäftigung" herrscht?

Beitragvon Boraiel » So 15. Okt 2017, 20:34

Billie Holiday hat geschrieben:
Wie sieht die Alternative aus?

Erste Möglichkeit und die einzige für, die man sich je entscheiden sollte, ist: Sich selber um seine Scheiße kümmern
2. Auf dem freien Markt jemanden finden, der einen gegen Bezahlung den Arsch abputzt. Das muss man natürlich selber finanzieren.
3. Sich Hilfsmittel anschaffen, die einem dies selber ermöglichen.
4. In seiner Scheiße liegen.
5. Tod.
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Lesen und verstehen: http://www.feynmanlectures.caltech.edu/I_01.html

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