Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

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Sextus Ironicus
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Sextus Ironicus » Sa 2. Dez 2017, 11:26

Dark Angel hat geschrieben:(01 Dec 2017, 22:31)

Ach du meinst Integration habe irgend etwas mit "Aufdrücken wollen" oder Ideologie zu tun?
Na dann weißt du ganz offensichtlich nicht, was Integration in der Soziologie bedeutet.

"Der Prozess der Integration von Menschen mit einem Migrationshintergrund besteht aus Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung, Kommunikation, Finden von Gemeinsamkeiten, Feststellen von Unterschieden und der Übernahme gemeinschaftlicher Verantwortung zwischen Zugewanderten und der anwesenden Mehrheitsbevölkerung.
Die Möglichkeit der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben der Aufnahmegesellschaft setzt den Erwerb von bestimmten Kenntnissen, Fähigkeiten, Einstellungen und den Willen, eine weitgehende Neu-Sozialisation und Neuorganisation der Persönlichkeit einzugehen, voraus. Zentral ist hier das Erlernen der neuen Sprache und eine gewisse Kommunikationsfähigkeit und -bereitschaft gegenüber der Aufnahmegesellschaft."


Integration bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Grundvoraussetzung für ein friedliches Miteinander/Zusammenleben von Zuwanderern/Einwanderern und der Mehrheitsgesellschaft zum gegenseitigen Vorteil und Nutzen.
Der einzige, der hier "herum faselt", das bist mit deinen Individualitäts- und "Vereinzelungswahn". Kein menschliches Individuum kann "vereinzelt", OHNE Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft oder Integration in eine Gemeinschaft überleben!



Zur Integration gehört vor allem auch eine Definition und ein Verständnis des Eigenen, also des Verbindenden, und ein Wisseen über dessen historische und aktuelle Grundlagen und Bedingungen, damit jene notwendige Zweitsozialisierung überhaupt auch nur theoretisch gelingen kann. Die lustige Vorstellung, es reiche, sich an ein paar Gesetze zu halten, ist lebensfremd. Das ist keine Integration, sondern die Anerkennung von Parallelwelten.
… habe ich mich sorgsam bemüht, menschliche Tätigkeiten nicht zu verlachen, nicht zu beklagen und auch nicht zu verdammen, sondern zu begreifen. (Spinoza)
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 2. Dez 2017, 11:31

Sextus Ironicus hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:13)

Die Grundbedingung hierfür wäre ein ständig steigender Wohlstand, aber der leistet am Ende auch nicht das, was zum Zusammenhalt notwendig wäre.

Eine liberale Gesellschaft braucht ja auch gar keinen übergreifenden gesamtgesellschaftlichen "Zusammenhalt" außer der sozusagen vertraglichen Bindung an die Rechtsordnung. Vom Grundgesetz mit seinen demokratischen Prinzipien bis hinunter zur Straßenverkehrsordnung. Die Frage, ob irgendwas einen Zusammenhalt herstellt, aufrechterhält oder erodiert, stellt sich aus einer solchen liberalen Sicht gar nicht. Jeder Mensch kann in seinem sozialen Mikrobereich die Art des Zusammenhalts frei nach seinem Gusto selbst gestalten. So wie die jeweilige Gruppe es in diesem Mikrobereich wünscht.

In einem anderen Thread wird das angebliche Sterben der Rockmusik diskutiert. Ein solches Sterben findet keineswegs statt. Diese Art der Musik zieht sich nur tendenziell in entsprechende Mikroszenen zurück. Tendenziell zumindest ohne übergreifenden Superstarkult. Ganz wunderbar!
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Sextus Ironicus » Sa 2. Dez 2017, 11:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:31)

Eine liberale Gesellschaft braucht ja auch gar keinen übergreifenden gesamtgesellschaftlichen "Zusammenhalt" außer der sozusagen vertraglichen Bindung an die Rechtsordnung. Vom Grundgesetz mit seinen demokratischen Prinzipien bis hinunter zur Straßenverkehrsordnung. Die Frage, ob irgendwas einen Zusammenhalt herstellt, aufrechterhält oder erodiert, stellt sich aus einer solchen liberalen Sicht gar nicht. Jeder Mensch kann in seinem sozialen Mikrobereich die Art des Zusammenhalts frei nach seinem Gusto selbst gestalten. So wie die jeweilige Gruppe es in diesem Mikrobereich wünscht.!


Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Damit das funktioniert, müsstest du alle menschlichen Beziehungen verrechtlichen, um dieser Individualspezies den autistischen Spielraum zu schützen. Nur so kann jeder nach seinem Gusto dann in seinem von allem Sozialen befreiten Sein überleben.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon think twice » Sa 2. Dez 2017, 11:46

Sextus Ironicus hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:26)

Die lustige Vorstellung, es reiche, sich an ein paar Gesetze zu halten, ist lebensfremd. Das ist keine Integration, sondern die Anerkennung von Parallelwelten.

Solange sie sich an Gesetze halten, können sie doch in ihren Parallelwelten leben. Wen stört es?
Das ist eben das Abstoßende: Dieses zwangsweise Herbeiführen wollen einer verbindlich, verbindenden Kultur. Integriert ist nur, wer sich "unserer" Kultur anpasst.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Selina » Sa 2. Dez 2017, 11:56

think twice hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:46)

Solange sie sich an Gesetze halten, können sie doch in ihren Parallelwelten leben. Wen stört es?
Das ist eben das Abstoßende: Dieses zwangsweise Herbeiführen wollen einer verbindlich, verbindenden Kultur. Integriert ist nur, wer sich "unserer" Kultur anpasst.
Muss niemand, braucht niemand in einem freiheitlich demokratischen Staat.


:thumbup:

Das brauchen nur diejenigen, die auch das "Verbindende" und das "Eigene" brauchen und es gegen "fremde Einflüsse" verteidigen müssen. Kaum vorstellbar, dass es wirklich Menschen gibt, die an so etwas Merkwürdiges glauben :D
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon think twice » Sa 2. Dez 2017, 12:01

Selina hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:56)

:thumbup:

Das brauchen nur diejenigen, die auch das "Verbindende" und das "Eigene" brauchen und es gegen "fremde Einflüsse" verteidigen müssen. Kaum vorstellbar, dass es wirklich Menschen gibt, die an so etwas Merkwürdiges glauben :D

Ich glaube, sie wollen ihre eigene Parallelwelt deshalb für verbindend und verbindlich erklaeren, weil sie ahnen, dass sie die eigentlichen Aussenseiter sind mit ihrer Kulturtümelei von vorgestern.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 2. Dez 2017, 12:05

Vielleicht sollte man dann nicht von Multikulti reden, sondern von diversen Parallelgesellschaften, die nebenher leben ohne sehr vielen Berührungspunkten außer der lästigen Pflicht, sich an hiesige Gesetze zu halten und den Wunsch, sich aus den Sozialkassen zu bedienen, was bei Unwillen, sich zu integrieren, wohl der einzige Grund sein mag, in dieses kalte Land zu kommen, denn ohne Integration und Spracherwerb reicht es oft nur, um auf Baustellen zu fegen.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon think twice » Sa 2. Dez 2017, 12:08

Billie Holiday hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:05)

Vielleicht sollte man dann nicht von Multikulti reden, sondern von diversen Parallelgesellschaften, die nebenher leben ohne sehr vielen Berührungspunkten außer der lästigen Pflicht, sich an hiesige Gesetze zu halten und den Wunsch, sich aus den Sozialkassen zu bedienen, was bei Unwillen, sich zu integrieren, wohl der einzige Grund sein mag, in dieses kalte Land zu kommen, denn ohne Integration und Spracherwerb reicht es oft nur, um auf Baustellen zu fegen.

Tja, wenn einem zu Parallelgesellschaften nur Libanesenclans aus Berlin einfallen, kommt man zu einem solchen Beitrag. ;)
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Sextus Ironicus » Sa 2. Dez 2017, 12:21

think twice hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:46)

Solange sie sich an Gesetze halten, können sie doch in ihren Parallelwelten leben. Wen stört es?
Das ist eben das Abstoßende: Dieses zwangsweise Herbeiführen wollen einer verbindlich, verbindenden Kultur. Integriert ist nur, wer sich "unserer" Kultur anpasst.
Muss niemand, braucht niemand in einem freiheitlich demokratischen Staat.

Heute wieder Strohmänner im Angebot.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon think twice » Sa 2. Dez 2017, 12:26

Sextus Ironicus hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:21)

Heute wieder Strohmänner im Angebot.

Das ist Fakt in unserer FDGO: Jeder kann nach seiner Fasson glücklich werden, solange er nicht gegen geltendes Recht und Ordnung verstößt. Daran aendern auch keine pseudo-wissentschaftlichen Abhandlungen etwas.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Selina » Sa 2. Dez 2017, 12:40

think twice hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:26)

Das ist Fakt in unserer FDGO: Jeder kann nach seiner Fasson glücklich werden, solange er nicht gegen geltendes Recht und Ordnung verstößt. Daran aendern auch keine pseudo-wissentschaftlichen Abhandlungen etwas.


Genau. Und wenn wir schon bei "Strohmännern" sind: Da hat die Achse ganz offenbar auch ein paar von ihnen hierher abgesandt :D
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 2. Dez 2017, 12:43

Selina hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:40)

Genau. Und wenn wir schon bei "Strohmännern" sind: Da hat die Achse ganz offenbar auch ein paar von ihnen hierher abgesandt :D


Würdest du gern Maulkörbe verpassen lassen?
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Billie Holiday » Sa 2. Dez 2017, 12:45

think twice hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:26)

Das ist Fakt in unserer FDGO: Jeder kann nach seiner Fasson glücklich werden, solange er nicht gegen geltendes Recht und Ordnung verstößt. Daran aendern auch keine pseudo-wissentschaftlichen Abhandlungen etwas.


Viele sind ja nicht glücklich. :( Die schreiben dann in einem Blog, dass die Deutschen sie nicht mögen, ihre Sprache nicht verstehen und überhaupt sind alle so böse Rassisten. :( :(
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Selina » Sa 2. Dez 2017, 12:54

Billie Holiday hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:43)

Würdest du gern Maulkörbe verpassen lassen?


Nö. Das Argument "wieder Strohmänner unterwegs" kam nicht zuerst von mir. Bitte genau lesen. Da sehe ich dann schon eher eine Art Maulkorb, wenn man missliebige Leute mit dem Strohmann-Etikett versieht. Und so war das nur eine adäquate Reaktion darauf.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon think twice » Sa 2. Dez 2017, 13:27

Billie Holiday hat geschrieben:(02 Dec 2017, 12:45)

Viele sind ja nicht glücklich. :( Die schreiben dann in einem Blog, dass die Deutschen sie nicht mögen, ihre Sprache nicht verstehen und überhaupt sind alle so böse Rassisten. :( :(

Da sie die deutsche Sprache nicht verstehen, schreiben sie sicher auf türkisch und arabisch, oder? Was wiederum du verstehst und daher genau weisst, was sie schreiben. :D
Kannst du mal einen solchen Blog verlinken? Ich kenne die garnicht, würde mich aber mal interessieren.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 2. Dez 2017, 17:39

Sextus Ironicus hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:45)

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Damit das funktioniert, müsstest du alle menschlichen Beziehungen verrechtlichen, um dieser Individualspezies den autistischen Spielraum zu schützen. Nur so kann jeder nach seinem Gusto dann in seinem von allem Sozialen befreiten Sein überleben.

Ich reich' dir mal mit einem Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zu "Liberalismus"
In einem engeren Sinne liberalistischer Positionen beschränkt sich die Rolle des Staates auf den konkreten Schutz der Freiheit der Individuen und der die Freiheit garantierenden Rechtsordnung.

symbolisch einen Schluck Wasser auf den Schreck. ;) Es ist eine völlig normale Position. Auch wenn sie natürlich nicht von allen geteilt wird.

Dass der Mensch im Rahmen dieser Rechtsordnung selbstverständlich soziale Beziehungen aufbaut und ein auch kulturell und auch in Gruppenzusammenhängen interagierendes Wesen ist und bleibt, steht damit ja in keinem Widerspruch. Es bedarf nur keiner staatlichen Regelung und keiner gesamtgesellschaftlichen Bewusstheit.

Und ganz konkret: Kein Innenminister hat sich zu erdreisten, der Bevölkerung eine "Leitkultur" vorzusetzen, Fast alles ist geregelt in der Bundesrepublik. Bis hin zur LeereFlaschenEinsortierung nach Farbe, Jetzt will man an die Gehirne oder was? Das ist eindeutig bereits im Reich des Bösen, Kein Mensch, der einmal die Morgenluft der Freiheit geatmet hat, wird dieses Ansinnen tolerieren.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Dark Angel » Sa 2. Dez 2017, 17:57

Sextus Ironicus hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:26)

Zur Integration gehört vor allem auch eine Definition und ein Verständnis des Eigenen, also des Verbindenden, und ein Wisseen über dessen historische und aktuelle Grundlagen und Bedingungen, damit jene notwendige Zweitsozialisierung überhaupt auch nur theoretisch gelingen kann. Die lustige Vorstellung, es reiche, sich an ein paar Gesetze zu halten, ist lebensfremd. Das ist keine Integration, sondern die Anerkennung von Parallelwelten.

Aber genau das (gefettet) wird ja von den Kulturleugnern/Kulturverweigerern abgelehnt - die verbindende gemeinsame Geschichte, auch das aus der Geschichte lernen - und damit meine ich nicht nur die dunkelsten 12 Jahre deutscher Geschichte - sondern die gesamte Geschichte, dazu gehört die Anerkennung der Leistungen, die für die kulturelle Entwicklung erbracht worden sind, die Anerkennung der Werte, die in dieser Kultur entstanden sind etc. Aber das brauche ich dir ja nicht zu erläutern.
Die Leugner des Verbindenden einer Kultur habe die Parallelwelten doch längst anerkannt, sie tolerieren doch die schleichende Veränderung, Unterwanderung und "Demontage" unserer Kultur, indem immer mehr Forderungen der Zuwanderer nachgegeben wird. Sie tolerieren es indem sie sich mit kulturellen Unterschieden eben nicht auseinander setzen, das Verbindende der eigenen Kultur nicht sehen wollen bzw sogar ablehnen. ==> siehe "Grenzen der Toleranz" von Dr. Michael Schmidt Salomon
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Sextus Ironicus » Sa 2. Dez 2017, 21:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(02 Dec 2017, 17:39)

Ich reich' dir mal mit einem Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zu "Liberalismus"

symbolisch einen Schluck Wasser auf den Schreck. ;) Es ist eine völlig normale Position. Auch wenn sie natürlich nicht von allen geteilt wird.

Dass der Mensch im Rahmen dieser Rechtsordnung selbstverständlich soziale Beziehungen aufbaut und ein auch kulturell und auch in Gruppenzusammenhängen interagierendes Wesen ist und bleibt, steht damit ja in keinem Widerspruch. Es bedarf nur keiner staatlichen Regelung und keiner gesamtgesellschaftlichen Bewusstheit.

Und ganz konkret: Kein Innenminister hat sich zu erdreisten, der Bevölkerung eine "Leitkultur" vorzusetzen, Fast alles ist geregelt in der Bundesrepublik. Bis hin zur LeereFlaschenEinsortierung nach Farbe, Jetzt will man an die Gehirne oder was? Das ist eindeutig bereits im Reich des Bösen, Kein Mensch, der einmal die Morgenluft der Freiheit geatmet hat, wird dieses Ansinnen tolerieren.


Ach, das mag der Innenminister tun, wie ihm beliebt. Ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass er das besser "X Leitlinien zur Integration" genannt hätte, dann wäre klar gewesen, dass es nicht Aufgabe der Politik ist, Kultur zu definieren, weil Kultur größer ist als Politik.

Was die Grundsatzfrage angeht: In manchem Praktischen unterscheiden wir uns sicher nicht so stark, allerdings gehen wir anders damit um, ziehen andere Schlussfolgerungen aus Persönlichem. Jemand wie ich, für den nach den schon bei den Nonnen im Kindergarten beginnenden Erfahrungen später alles Kollektive verdächtig, ja schon Chorsingen eine Art Faschismus war, blieb die Parteinahme für die Füchse gegen die Igel (wie Isaiah Berlin das in seinem Essay so schön beschreibt) zeitlebens bestimmend (aller Igel-Versuche zum Trotz). Nur: Ich war mir immer bewusst, dass das idiosynkratisch ist, diese Bevorzugung des Individuellen, dieses Abstandhalten. Aber ich habe es zumeist erfolgreich geschafft, die Maximen, die mit dem Idiosynkratischen verbunden sind, nicht in den Rang eines allgemeinen Gesetzes zu erheben. Die anthropologischen Grundlagen des Menschen als soziales Tier hätte ich nie in Frage gestellt, ebensowenig die Grundlagen von Kultur, des Sozialen, aber auch nicht die Bedingungen, die ein liberaler Rechtsstaat zu Selbstsicherung braucht. Das bleibt völlig unberührt. Was in meiner persönlichen Universalgeschichte der Niedertracht steht, angefangen mit den Nonnen, die ganz exemplarisch die praktische Niedertracht theoretischer Glaubenssätze verkörpert haben, hat damit nichts zu tun. Heute nehme ich dafür die neuen säkularen Betschwestern (und Betbrüder) des Ordens der Denunzierenser mitsamt ihrem Doppeldenk darin auf. :D

Über den Liberalismus gibt's vielleicht mal einen eigenen Thread. Für ihn zieht die Abendröte auf, er wird nach dem kurzen aber heftigen Leben des Faschismus und dem an Altersschwäche dahingeschiedenen Kommunismus als letzter der drei ungleichen und doch aufeinander bezogenen Brüder sein Leben aushauchen, wenn er sich weiterhin auf den Staat als seinen Hauptfeind konzentriert. Spannend bleibt, was auf ihn folgt.
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon ryu1850 » Sa 2. Dez 2017, 21:12

Sextus Ironicus hat geschrieben:(02 Dec 2017, 11:26)

Zur Integration gehört vor allem auch eine Definition und ein Verständnis des Eigenen, also des Verbindenden, und ein Wisseen über dessen historische und aktuelle Grundlagen und Bedingungen, damit jene notwendige Zweitsozialisierung überhaupt auch nur theoretisch gelingen kann. Die lustige Vorstellung, es reiche, sich an ein paar Gesetze zu halten, ist lebensfremd. Das ist keine Integration, sondern die Anerkennung von Parallelwelten.


Was ist denn die Definition und das Verständnis des Verbindenden?
Was verbindet einen Kölner Hausmeister, einen Berliner Lehrer und einen Aufsichtsratvorsitzenden aus München außer der Gesetze an die sich alle zu halten haben?
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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Beitragvon Sextus Ironicus » Sa 2. Dez 2017, 21:49

ryu1850 hat geschrieben:(02 Dec 2017, 21:12)

Was ist denn die Definition und das Verständnis des Verbindenden?
Was verbindet einen Kölner Hausmeister, einen Berliner Lehrer und einen Aufsichtsratvorsitzenden aus München außer der Gesetze an die sich alle zu halten haben?


Am einfachsten geht das, wenn du dir überlegst, was dich mit den dreien verbindet.
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